„Während meines Bachelorstudiums möchte ich auf jeden Fall ins Ausland. Am liebsten irgendwo weit weg. Nein, Erasmus kommt für mich eher nicht in Frage, höchstens ein Auslandsjahr in den USA… Oder doch lieber vielleicht ein Praktikum?“ Das war meine Einstellung in Bezug auf einen Auslandsaufenthalt während der ersten Semester und wie man sieht, wusste ich selbst nicht so genau, was ich wollte. Im dritten Semester habe ich mich schließlich dazu entschieden mich für das Auslandsjahr in Tennessee in den USA zu bewerben, jedoch habe ich den Platz leider nicht bekommen. Damit war das Thema Ausland dann eigentlich auch abgeschlossen für mich. Aber irgendwie hat es mir doch keine Ruhe gelassen die Chance „etwas anderes zu erleben“ nicht noch einmal genutzt zu haben. So kam ich wieder zurück auf die Idee mit dem Praktikum und bewarb mich für eines in einem Unternehmen in Montpellier, Frankreich, jedoch auch ohne Erfolg. Nach dieser zweiten Enttäuschung hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr noch etwas zu versuchen, denn nach diesen zwei Enttäuschungen wollte ich jegliche weitere vermeiden. Als ich dann aber doch recht schnell gemerkt habe, dass ich dringend ein Ziel vor Augen brauche, dachte ich mir: Nein, jetzt erst recht, das lasse ich so nicht auf mir sitzen! So habe ich im fünften Semester (also sehr kurz auf knapp) den Entschluss gefasst, mich für sämtliche Goethe-Insititute, die schon vor längerer Zeit mein Interesse geweckt haben, zu bewerben. Erzählt habe ich niemandem davon, weder meiner Familie, noch Freunden. Meine Angst, wieder vor allen mit einer Enttäuschung umgehen zu müssen, war zu groß. Deswegen dachte ich mir, ich versuche das Ganze auf gut Glück und wenn es dann ernst wird, sage ich meiner Familie und Freunden schon Bescheid. Auch wenn ich nichts sehnlicher wollte, als einen der Praktikumsplätze, hatte ich nicht allzu große Hoffnungen. Nach dem Abschicken der Bewerbungen hieß es dann warten, lange warten. Circa zwei Monate nach dem Abschicken der Bewerbung bekam ich eine Mail mit einem asiatischen Absender, der Betreff lautete: Ihre Bewerbung. Ich war selten so sehr aufgeregt, wie in dem Moment, als ich diese Mail öffnete. Und das war sie, die Zusage für das Praktikum in Seoul, Südkorea. Ich konnte es im ersten Moment überhaupt nicht realisieren und war sprachlos. Ich habe tatsächlich eine Zusage für Seoul! Zuerst war ich überwältigt von der Freude über diese Nachricht, jedoch wurde mir dann auch recht schnell bewusst, dass ich das alles nun meinen Eltern, meiner Familie und Freunden sagen musste. Was werden sie wohl sagen? Werden sie sich freuen? Unterstützten sie dieses Vorhaben? Will ich das überhaupt wirklich? Schließlich war ich noch nie mehr als einen Monat von zu Hause weg und schon gar nicht am anderen Ende der Welt. Am Ende hat sich herausgestellt, dass ich mir gar nicht so viele Sorgen hätte machen müssen. Zuerst war meine Familie ein wenig geschockt, jedoch gleichzeitig auch unglaublich stolz und fest entschlossen mich bei allem zu unterstützen, auch meine Freunde standen voll und ganz hinter mir, gaben mir sehr viel Mut und Zuspruch und sogar in der Uni ließ sich alles so regeln, dass ich kein Semester verpasse und mein Plan aufgeht. So hat sich die Frage, ob ich das wirklich will auch sehr schnell geklärt: NATÜRLICH will ich das! In der Zeit, in der ich nach und nach allen davon erzählt habe, gab es eine Frage, die mir immer wieder gestellt wurde. „Warum eigentlich Südkorea, Jenny? Wie bist du darauf gekommen?“ Je öfter mir diese Frage gestellt wurde, desto öfter habe ich sie mir auch selbst gestellt, denn so wirklich konnte ich sie weder mir selbst, noch anderen beantworten. Ich hatte mich neben Seoul noch für eine andere Institute, auf der ganzen Welt verteilt, beworben, jedoch habe ich von Anfang an gesagt, dass mein Top-Favorit Seoul ist. Viel wusste ich nicht über die Stadt und auch nicht über das Land Südkorea. Das einzige, was mir spontan zu Südkorea einfiel, waren Gangnam-Style, K-Pop im Allgemeinen (das auch nur, weil ich es öfter auf Spotify gesehen habe) ach ja, und natürlich Kosmetikprodukte. Und vielleicht war es auch genau das, das mir Unbekannte, von dem ich nicht allzu viel wusste, die Herausforderung, die eine solche Reise mit sich bringen würde und einfach mal etwas ganz Neues und Anderes zu erleben, was mein Interesse und meine Motivation so sehr geweckt hat. Nach dem Tag der Zusage habe ich natürlich sofort angefangen zu recherchieren und mich mit dem Land, der Kultur und den Einwohnern auseinanderzusetzen. Heute, zwei Wochen vor dem Abflug, kann ich sagen, dass ich mehr als zufrieden bin, mich trotz weiterer Zusagen von anderen Instituten für Seoul entschieden zu haben und dass ich es kaum erwarten kann diese unglaublich vielseitige, interessante Stadt, die so viel zu bieten hat, kennenzulernen und für knapp vier Monate mein zu Hause nennen zu dürfen.

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