Wie sich viele sicherlich denken können, ist das Thema Unterkunft bei einem längeren Aufenthalt im Ausland ein sehr wichtiges und auch schwieriges Thema. Das war es auch für mich während meiner Reisevorbereitungen. Ich hatte im Vorfeld ein paar Internetseiten zugeschickt bekommen, die mir bei der Wohnungssuche helfen sollten, jedoch wurde ich auch nach sehr intensiver Recherche nicht wirklich fündig bzw. war nie wirklich rundum zufrieden mit dem, was ich gefunden hatte. Deswegen habe ich recht schnell den Entschluss gefasst meine Unterkunft vor Ort in Seoul zu suchen und für die ersten zwei Wochen ein Hotelzimmer zu buchen. Im Nachhinein bin ich auch sehr froh diese Entscheidung getroffen zu haben, denn alles andere wäre für mich persönlich zu riskant gewesen. So habe ich schließlich die erste Woche, in der ich schonmal versucht habe die Stadt ein wenig kennenzulernen, und während meiner ersten Praktikumswoche im Hotel verbracht und parallel jeden Tag nach Unterkünften für die Zeit danach gesucht.
Ich habe das Hotel absichtlich so gewählt, dass ich nicht allzu lange zum Goethe-Institut brauche und nachdem ich am Freitag der ersten Woche bereits eine kleine Einführung von der ehemaligen Praktikantin in der Verwaltung bekommen habe, ging es am drauffolgenden Montag richtig für mich los. Ich muss zugeben, dass ich ja bereits von Anfang an ein wenig Bedenken hatte, ob ich als Studentin der Sprache, Kultur und Translation überhaupt zurechtkommen werde mit Verwaltungsaufgaben, die im Prinzip nur auf BWL, oder um genauer zu sein Finanzwesen und Personalwesen basieren. Von beiden Gebieten habe ich bereits gehört und konnte mir selbstverständlich auch etwas darunter vorstellen, aber das war dann doch ziemlich begrenzt und so wirklich wusste ich auch bis zu dem Freitag nicht was auf mich kommen wird. Als mir dann am Freitag einige der Tätigkeiten, die ich in den kommenden drei Monaten ausüben sollte gezeigt wurden, war ich zunächst komplett überfordert und dachte mir nur: Um Gottes Willen, von all dem habe ich noch nie was gehört, das werde ich doch niemals schaffen! Ich denke man hat mir auch schnell angesehen wie überfordert und verunsichert ich bin, aber das gesamte Verwaltungsteam hat es durch seine Hilfsbereitschaft und die unglaublich nette und offene Art innerhalb kürzester Zeit geschafft mir den Großteil dieser Verunsicherung und Anspannung zu nehmen. An diesem Freitag habe ich erstmal nur „zugeschaut“ und eher wenig selbst gemacht, am Montag jedoch durfte ich bereits alles selbst machen. Den größten Respekt hatte ich vor dem Buchhaltungssystem, denn dazu hatte ich überhaupt keinen Bezug und wusste auch in den ersten Tage überhaupt nicht, was genau ich da überhaupt mache (nur, dass es eine doch recht große Verantwortung ist), aber meine Kollegen haben es von der ersten Sekunde an geschafft, dass ich mich einfach getraut habe und keine Angst hatte, irgendwas falsch zu machen, denn mir wurde gesagt, dass Fehler machen ganz normal ist, Fehler immer verbessert werden können und jeder Fehler macht. Außerdem könne ich bei jeder Unklarheit immer nachfragen, gerne auch zehn oder zwanzig mal. So kam es, dass ich mich trotz überhaupt nicht vorhandenen Vorkenntnissen nach einigen Tagen schon super wohl gefühlt habe und mir die Arbeit richtig viel Spaß gemacht hat. Dieser Spaß und die Freude an dem, was ich hier mache, ist seitdem stetig gestiegen, sodass das Praktikum alle meine Erwartungen mehr als übertrifft. Ich komme jeden Tag richtig gerne zur Arbeit und bin unglaublich dankbar einen Einblick in ein Arbeitsfeld zu bekommen, das mir bisher komplett fremd war. Ich bin außerdem auch unglaublich dankbar dafür, dass ich hier wirklich ernstzunehmende Aufgaben bekomme und wie eine Mitarbeiterin gesehen und behandelt werde. Gerade im Anbetracht der Tatsache, dass ich (leider ziemlich spät) erkennen und akzeptieren musste, dass mein Studium wirklich nicht das richtige für mich ist und ich etwas ganz anderes machen möchte, ist diese Erfahrung von Tag zu Tag immer wertvoller, denn hier wird mein Horizont nicht nur auf kultureller Ebene jeden Tag ein wenig erweitert, sondern auch auf professioneller Ebene. Jetzt ist zwar noch eine weitere Option für meinen weiteren professionellen Werdegang hinzugekommen, jedoch habe ich, was diese Option betrifft, immerhin eine genauere Vorstellung von dem, was mich in der tatsächlichen Berufswelt dann erwarten kann und genau das bedeutet mir sehr viel. In der zweiten und dritten Woche habe ich mich dann immer besser und besser eingefunden, sodass ich jetzt nach einem Monat schon ziemlich sicher in dem bin, was ich hier mache und auch die Freude an der Arbeit ist nach wie vor sehr groß. Meine Hauptaufgaben umfassen im Wesentlichen Kreditkartenabrechnungen, Buchungen im Buchhaltungssystem, Urlaubsanträge, Reisekostenabrechnungen und noch einiges mehr. Auch mit meinem Team in der Verwaltung bin ich wirklich mehr als gesegnet und habe die Ehre jeden Tag mit wundervollen Menschen zusammenzuarbeiten. Im ersten Monat war ich die einzige Praktikantin im Institut, seit gestern ist aber auch wieder eine Praktikantin in der Sprachabteilung. Wie man sieht geht es mir hier richtig gut.
Das einzige Problem, das sich jedoch recht lange gezogen hat, war das Thema Unterkunft. Während meines Aufenthalts habe ich jeden Abend nach entweder einem Einzelzimmer oder einem Zimmer in einer WG gesucht (davon gibt es hier eher wenige), wurde aber selbst bis kurz vor dem Auslaufen meiner Zeit im Hotel nicht fündig. Aus diesem Grund und auch weil ich wusste, dass eine Freundin aus Deutschland mich Mitte Juli für eine Woche besuchen kommt, die ich sowieso nur ein bis zwei Mal im Jahr sehe, sodass es eigentlich besser wäre mit ihr zusammen zu wohnen, habe ich mich entschlossen nach günstigen Gästehäusern in der Umgebung zu suchen und habe tatsächlich auch ein gutes und preiswertes in Myeongdong auf der Haupteinkaufsstraße, also mitten im Zentrum, gefunden. Dieses Gästehaus war auch nicht allzu weit von meinem alten Hotel entfernt, sodass ich an meinem zweiten Wochenende ohne Probleme umziehen konnte. Dort habe ich zuerst in einem Einzelzimmer gewohnt, welches so ziemlich das kleinste Zimmer war, das ich jemals bewohnt habe und mich vor so einige Herausforderungen stellte, zum Beispiel eine Position zu finden, den Koffer geöffnet im Zimmer haben zu können und dennoch die zwei Centimeter auf dem Boden so nutzen zu können, dass man von der Tür ins Bett kann oder auch das Konzept Bad=Dusche war in den ersten Tagen nicht so ganz einfach. Aber ich habe daraus gelernt, dass all das gar nicht so schlimm ist, wenn man sich darauf einlässt und man sich an alles gewöhnen kann. Dennoch war ich froh, als meine Freundin kam, in ein Doppelzimmer in dem Gästehaus zu ziehen, auch wenn dieses nicht viel größer war, aber immerhin haben die zwei Koffer nicht die gesamte Bodenfläche eingenommen (die kleinen Freuden eben :D).
Während meines Aufenthaltes dort und vor der Ankunft meiner Freundin habe ich es dann tatsächlich doch noch geschafft ein WG Zimmer in Sinchon zu finden. Nachdem ich mir mehr oder weniger alle größeren Teile Seouls angeschaut hatte, stand für mich fest, dass ich entweder in der Umgebung bleiben möchte, wo ich bereits die ganze Zeit war, nach Hongdae oder nach Gangnam ziehen möchte. Somit war ich mit Sinchon (was nur eine Station von Hongdae entfernt ist) maximal zufrieden und habe mir das Zimmer in der drauffolgenden Woche auch angeschaut und sofort zugesagt. Das war wohl während meines gesamten Aufenthalts auch meine größte Erleichterung, denn in diesem Zimmer kann ich bis zum Tag meiner Abreise bleiben und muss nicht noch ein viertes Mal umziehen. Allerdings war das Zimmer erst ab dem ersten August verfügbar, sodass ich meinen Aufenthalt im Gästehaus um eine weitere Woche verlängern musste, was im Endeffekt aber nicht schlimm war. Dadurch konnte ich mich dann auch voll und ganz auf meinen ersten Besuch aus Deutschland freuen!


