Meine ersten Wochen im Hotel/ Gästehaus und der Praktikumsbeginn

Wie sich viele sicherlich denken können, ist das Thema Unterkunft bei einem längeren Aufenthalt im Ausland ein sehr wichtiges und auch schwieriges Thema. Das war es auch für mich während meiner Reisevorbereitungen. Ich hatte im Vorfeld ein paar Internetseiten zugeschickt bekommen, die mir bei der Wohnungssuche helfen sollten, jedoch wurde ich auch nach sehr intensiver Recherche nicht wirklich fündig bzw. war nie wirklich rundum zufrieden mit dem, was ich gefunden hatte. Deswegen habe ich recht schnell den Entschluss gefasst meine Unterkunft vor Ort in Seoul zu suchen und für die ersten zwei Wochen ein Hotelzimmer zu buchen. Im Nachhinein bin ich auch sehr froh diese Entscheidung getroffen zu haben, denn alles andere wäre für mich persönlich zu riskant gewesen. So habe ich schließlich die erste Woche, in der ich schonmal versucht habe die Stadt ein wenig kennenzulernen, und während meiner ersten Praktikumswoche im Hotel verbracht und parallel jeden Tag nach Unterkünften für die Zeit danach gesucht.

Ich habe das Hotel absichtlich so gewählt, dass ich nicht allzu lange zum Goethe-Institut brauche und nachdem ich am Freitag der ersten Woche bereits eine kleine Einführung von der ehemaligen Praktikantin in der Verwaltung bekommen habe, ging es am drauffolgenden Montag richtig für mich los. Ich muss zugeben, dass ich ja bereits von Anfang an ein wenig Bedenken hatte, ob ich als Studentin der Sprache, Kultur und Translation überhaupt zurechtkommen werde mit Verwaltungsaufgaben, die im Prinzip nur auf BWL, oder um genauer zu sein Finanzwesen und Personalwesen basieren. Von beiden Gebieten habe ich bereits gehört und konnte mir selbstverständlich auch etwas darunter vorstellen, aber das war dann doch ziemlich begrenzt und so wirklich wusste ich auch bis zu dem Freitag nicht was auf mich kommen wird. Als mir dann am Freitag einige der Tätigkeiten, die ich in den kommenden drei Monaten ausüben sollte gezeigt wurden, war ich zunächst komplett überfordert und dachte mir nur: Um Gottes Willen, von all dem habe ich noch nie was gehört, das werde ich doch niemals schaffen! Ich denke man hat mir auch schnell angesehen wie überfordert und verunsichert ich bin, aber das gesamte Verwaltungsteam hat es durch seine Hilfsbereitschaft und die unglaublich nette und offene Art innerhalb kürzester Zeit geschafft mir den Großteil dieser Verunsicherung und Anspannung zu nehmen. An diesem Freitag habe ich erstmal nur „zugeschaut“ und eher wenig selbst gemacht, am Montag jedoch durfte ich bereits alles selbst machen. Den größten Respekt hatte ich vor dem Buchhaltungssystem, denn dazu hatte ich überhaupt keinen Bezug und wusste auch in den ersten Tage überhaupt nicht, was genau ich da überhaupt mache (nur, dass es eine doch recht große Verantwortung ist), aber meine Kollegen haben es von der ersten Sekunde an geschafft, dass ich mich einfach getraut habe und keine Angst hatte, irgendwas falsch zu machen, denn mir wurde gesagt, dass Fehler machen ganz normal ist, Fehler immer verbessert werden können und jeder Fehler macht. Außerdem könne ich bei jeder Unklarheit immer nachfragen, gerne auch zehn oder zwanzig mal. So kam es, dass ich mich trotz überhaupt nicht vorhandenen Vorkenntnissen nach einigen Tagen schon super wohl gefühlt habe und mir die Arbeit richtig viel Spaß gemacht hat. Dieser Spaß und die Freude an dem, was ich hier mache, ist seitdem stetig gestiegen, sodass das Praktikum alle meine Erwartungen mehr als übertrifft. Ich komme jeden Tag richtig gerne zur Arbeit und bin unglaublich dankbar einen Einblick in ein Arbeitsfeld zu bekommen, das mir bisher komplett fremd war. Ich bin außerdem auch unglaublich dankbar dafür, dass ich hier wirklich ernstzunehmende Aufgaben bekomme und wie eine Mitarbeiterin gesehen und behandelt werde. Gerade im Anbetracht der Tatsache, dass ich (leider ziemlich spät) erkennen und akzeptieren musste, dass mein Studium wirklich nicht das richtige für mich ist und ich etwas ganz anderes machen möchte, ist diese Erfahrung von Tag zu Tag immer wertvoller, denn hier wird mein Horizont nicht nur auf kultureller Ebene jeden Tag ein wenig erweitert, sondern auch auf professioneller Ebene. Jetzt ist zwar noch eine weitere Option für meinen weiteren professionellen Werdegang hinzugekommen, jedoch habe ich, was diese Option betrifft, immerhin eine genauere Vorstellung von dem, was mich in der tatsächlichen Berufswelt dann erwarten kann und genau das bedeutet mir sehr viel. In der zweiten und dritten Woche habe ich mich dann immer besser und besser eingefunden, sodass ich jetzt nach einem Monat schon ziemlich sicher in dem bin, was ich hier mache und auch die Freude an der Arbeit ist nach wie vor sehr groß. Meine Hauptaufgaben umfassen im Wesentlichen Kreditkartenabrechnungen, Buchungen im Buchhaltungssystem, Urlaubsanträge, Reisekostenabrechnungen und noch einiges mehr. Auch mit meinem Team in der Verwaltung bin ich wirklich mehr als gesegnet und habe die Ehre jeden Tag mit wundervollen Menschen zusammenzuarbeiten. Im ersten Monat war ich die einzige Praktikantin im Institut, seit gestern ist aber auch wieder eine Praktikantin in der Sprachabteilung. Wie man sieht geht es mir hier richtig gut.

Das einzige Problem, das sich jedoch recht lange gezogen hat, war das Thema Unterkunft. Während meines Aufenthalts habe ich jeden Abend nach entweder einem Einzelzimmer oder einem Zimmer in einer WG gesucht (davon gibt es hier eher wenige), wurde aber selbst bis kurz vor dem Auslaufen meiner Zeit im Hotel nicht fündig. Aus diesem Grund und auch weil ich wusste, dass eine Freundin aus Deutschland mich Mitte Juli für eine Woche besuchen kommt, die ich sowieso nur ein bis zwei Mal im Jahr sehe, sodass es eigentlich besser wäre mit ihr zusammen zu wohnen, habe ich mich entschlossen nach günstigen Gästehäusern in der Umgebung zu suchen und habe tatsächlich auch ein gutes und preiswertes in Myeongdong auf der Haupteinkaufsstraße, also mitten im Zentrum, gefunden. Dieses Gästehaus war auch nicht allzu weit von meinem alten Hotel entfernt, sodass ich an meinem zweiten Wochenende ohne Probleme umziehen konnte. Dort habe ich zuerst in einem Einzelzimmer gewohnt, welches so ziemlich das kleinste Zimmer war, das ich jemals bewohnt habe und mich vor so einige Herausforderungen stellte, zum Beispiel eine Position zu finden, den Koffer geöffnet im Zimmer haben zu können und dennoch die zwei Centimeter auf dem Boden so nutzen zu können, dass man von der Tür ins Bett kann oder auch das Konzept Bad=Dusche war in den ersten Tagen nicht so ganz einfach. Aber ich habe daraus gelernt, dass all das gar nicht so schlimm ist, wenn man sich darauf einlässt und man sich an alles gewöhnen kann. Dennoch war ich froh, als meine Freundin kam, in ein Doppelzimmer in dem Gästehaus zu ziehen, auch wenn dieses nicht viel größer war, aber immerhin haben die zwei Koffer nicht die gesamte Bodenfläche eingenommen (die kleinen Freuden eben :D).

Während meines Aufenthaltes dort und vor der Ankunft meiner Freundin habe ich es dann tatsächlich doch noch geschafft ein WG Zimmer in Sinchon zu finden. Nachdem ich mir mehr oder weniger alle größeren Teile Seouls angeschaut hatte, stand für mich fest, dass ich entweder in der Umgebung bleiben möchte, wo ich bereits die ganze Zeit war, nach Hongdae oder nach Gangnam ziehen möchte. Somit war ich mit Sinchon (was nur eine Station von Hongdae entfernt ist) maximal zufrieden und habe mir das Zimmer in der drauffolgenden Woche auch angeschaut und sofort zugesagt. Das war wohl während meines gesamten Aufenthalts auch meine größte Erleichterung, denn in diesem Zimmer kann ich bis zum Tag meiner Abreise bleiben und muss nicht noch ein viertes Mal umziehen. Allerdings war das Zimmer erst ab dem ersten August verfügbar, sodass ich meinen Aufenthalt im Gästehaus um eine weitere Woche verlängern musste, was im Endeffekt aber nicht schlimm war. Dadurch konnte ich mich dann auch voll und ganz auf meinen ersten Besuch aus Deutschland freuen!

Ankunft und die ersten Eindrücke

Ich habe mich schon im Vorfeld öfter gefragt, ob wohl viele Deutsche mit mir im Flugzeug nach Korea fliegen würden, denn wie bereits geschrieben, konnte ich an einer Hand abzählen wie viele Leute ich kannte, die bereits in Korea waren oder sich überhaupt für Korea interessieren. Genau das spiegelte sich dann auch tatsächlich in der Herkunft meiner Mitreisenden wieder, denn 95% der Fluggäste waren Asiaten. So kam es dann auch, dass ich neben einem etwas älteren koreanischen Ehepaar saß, das weder ein Wort Deutsch noch ein Wort Englisch sprach. Ein wenig komisch war es schon zu wissen, dass man jetzt ca. 12 Stunden ans andere Ende der Welt reist und sich mit niemandem unterhalten kann, aber da es ein Nachtflug war und sowieso so gut wie alle den ganzen Flug über geschlafen haben, sodass es sich gar nicht so lang angefühlt hat, war es am Ende doch alles gar nicht so schlimm.

Ja, und dann bin ich endlich angekommen, in der Stadt, die für die kommende dreieinhalb Monate mein zu Hause sein sollte. Nachdem ich mein Gepäck geholt habe, bin ich mit einem Expresszug zu Seoul Station (sozusagen der Hauptbahnhof hier) gefahren (da der Flughafen sich nicht direkt in Seoul, sondern in Incheon befindet) und wurde dort von unseren Freunden empfangen. Es war allerdings gar nicht mal so einfach diese zu finden, da der Bahnhof drei Stockwerke und insgesamt 20 Ausgänge hat und ich natürlich erstmal zum falschen Ausgang gelaufen bin. Den ersten Nachmittag habe ich mit unseren Freunden verbracht, bis diese mich abends in mein Hotel, das ich für die ersten zwei Wochen gebucht hatte, gebracht haben. Mein allererster Eindruck von Seoul war sehr positiv, überall Hochhäuser, viele Menschen, viel Verkehr und Geräusche, eine typische Großstadt eben. Ein kleiner Teil der Stadt wurde mir bereits am ersten Tag auf dem Weg ins Hotel gezeigt und ich war wirklich begeistert. Als ich dann im Hotel angekommen bin und zum ersten Mal ganz alleine war, war diese Begeisterung nicht mehr ganz so groß und ich war ein wenig überfordert mit der Situation und habe doch Angst bekommen, ob ich dem Ganzen überhaupt gewachsen bin und ob ich das alles schaffen werde, denn bereits am ersten Tag wurde ich sehr oft mit der Kommunikationsbarriere konfrontiert, was mir viele Sorgen bereitet hat. Nach einigen Telefonaten mit Freunden und Familie habe ich dann aber doch festgestellt, dass es eigentlich überhaupt keinen Grund zur Sorge gibt, alles gut ist und es völlig normal ist, dass man Zeit braucht und sich diese auch nehmen muss, um sich einzuleben und zurechtzufinden. Mit dieser Erkenntnis kam auch recht schnell meine Freude wieder, die anschließend Tag für Tag immer größer wurde und bis zum heutigen Tag auch noch weiterhin wächst.

In den ersten beiden Tagen habe ich erst einmal meinen Stadtteil etwas näher erkundet, bevor ich dann mit dem Bus und der U-Bahn auch in andere Teile der Stadt gefahren bin. Ursprünglich wollte ich die ersten Wochen so viel es geht Bus fahren, damit ich auch etwas von der Stadt sehe. Es hat sich allerdings schnell herausgestellt, dass Busfahren ohne Internet zu haben, ohne koreanisch lesen zu können und bei der verrückten Fahrweise der Koreaner gar nicht mal so einfach ist. Dies hatte zur Folge, dass ich so einige Umwege gefahren bin und auch das ein oder andere Mal in den Bus in die falsche Richtung eingestiegen bin. Oft hat es mich genervt, dass ich gefühlt doppelt so viel Zeit und Energie brauche, um irgendwas zu finden, aber immerhin habe ich dadurch auch viele Teile der Stadt gesehen und auch wenn ich das dann positiv sehen konnte, bin ich letztendlich doch ziemlich schnell auf die U-Bahn umgestiegen, da das wirklich die einfachere Methode für die ersten Tage war. Als ich am vierten Tag dann meine koreanische SIM-Karte bekommen habe und dadurch überall Internet hatte, ging alles viel leichter und unkomplizierter. Ich habe mir in den ersten Tagen versucht ein grobes Bild von den ganzen Stadtteilen zu machen, um mir zum einen eine bessere Orientierung zu verschaffen und zum anderen die gesamte Stadt besser kennenzulernen. Mir ist dabei recht schnell aufgefallen, dass Seoul eine wirklich RIESIGE Stadt ist. Ich hatte den Begriff „riesig“ zuvor schon auf einige Städte, die ich besucht habe, angewendet, jedoch trifft er auf keine Stadt so gut zu wie auf Seoul. Hier gibt es wirklich unglaublich viele Stadtteile, in denen es ganz unterschiedliche Dinge zu sehen und zu entdecken gibt. Ich glaube genau das war es auch, was mich hier als allererstes begeistert hat und wodurch ich mich von Tag zwei an sofort richtig wohl gefühlt habe. An jeder Ecke gibt es überall etwas neues zu entdecken, überall sind Menschenmengen, alle sind super hilfsbereit und offen und auch abends, wenn alles beleuchtet ist, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Somit war für mich recht schnell klar, dass ich definitiv die richtige Entscheidung getroffen habe nach Seoul zu gehen und dass ich mich garantiert wohlfühlen werde.

Jetzt hatte ich von der Stadt soweit einen wundervollen ersten Eindruck, aber ich wusste noch in keinster Form was mich im Praktikum, wo ich nunmal den Großteil meiner Zeit hier verbringen werde, erwarten wird, sodass eine gewisse Aufregung und Nervosität immer noch da war. Diese wurde mir dann aber schneller genommen als erwartet, da mir angeboten wurde bereits am Freitag (und nicht erst am darauffolgenden Montag) ins Goethe-Institut zu kommen und von meiner Vorgängerin schonmal die ersten Sachen gezeigt zu bekommen. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und habe so in meiner ersten Woche am Freitag bereits einen Großteil der Mitarbeiter des Instituts kennengelernt. Ich wurde super herzlich aufgenommen und alle haben sich sehr für mich interessiert und sich die größte Mühe gegeben, dass ich mich sofort wohl fühle, was ihnen definitiv auch gelungen ist. So bin ich dann spät abends beruhigt nach Hause und habe mich richtig auf Montag, meinen ersten richtigen Arbeitstag, gefreut.

(Ich werde in den kommenden Beiträgen, die nun auch regelmäßiger geschrieben werden, sorry dafür, auch auf Punkte wie Essen, Wetter und die Unterkunft eingehen, aber ich will zum einen nicht ewig lange Beiträge schreiben und zum anderen auch schauen, dass ich einzelne Themen in einzelnen Beiträge unterbringe).

Vorbereitungen und der Abflug

Nachdem ich schließlich meine Zusage bestätigt habe, ging es auch sofort mit den Vorbereitungen los, denn von Februar bis Ende Juni war nicht allzu viel Zeit. Glücklicherweise hat weitgehend alles ohne Probleme geklappt, bis auf das Thema Unterkunft, denn es hat sich herausgestellt, dass es schwieriger ist, als gedacht, eine geeignete Unterkunft zu finden. Ich habe dann auch angefangen mich intensiver mit dem Land Südkorea und der Stadt Seoul auseinanderzusetzen und ich habe tatsächlich über Bekannte einen Kontakt zu zwei Leuten vermittelt bekommen, die schon länger in Seoul leben und, zwar leider in meiner zweiten Woche zurück nach Deutschland ziehen, mir jedoch bei der Ankunft gerne mit den ersten Erledigungen helfen würden.

Die Zeit von Februar bis Juni verging unglaublich schnell und mit jedem Monat stieg meine Aufregung und Vorfreude. Ich muss aber zugeben, dass all diese Gefühle auch immer mit einer gewissen Form von Angst und Respekt verbunden waren, denn auch wenn ich es mir nur selten habe anmerken lassen, war ich des Öfteren unsicher, ob ich das alles schaffen werde… meine erste längere Reise, 10.000 Kilometer entfernt von Familie und Freunden, in ein Land, das ich nahezu überhaupt nicht kenne, dessen Sprache ich weder spreche noch lesen oder schreiben kann und ein Land, bei dem ich an einer Hand abzählen kann, wie viele Menschen ich kenne die dort leben und jemals da waren. Außerdem wusste ich auch, dass ich mich auf eine Sprachbarriere gefasst machen muss, denn nur wenige Koreaner sprechen so gut Englisch, dass man wirklich kommunizieren könnte. Und zu all dem kam dazu, dass ich nur für die ersten zwei Wochen eine sichere Unterkunft hatte. Aber auf all dem sollte nicht der Fokus meiner Gedanken liegen, sondern vielmehr auf all den schönen Dingen und Erfahrungen, die auf mich zukommen würden.

Während der letzten Tage in Deutschland habe ich mich bemüht mich von allen Menschen, die mir wichtig sind, zu verabschieden und dann war er auch schon da, der Tag der Abreise. Beim Packen hatte ich erstaunlicherweise überhaupt keine Probleme und habe es geschafft, all meine Sachen in einem großen Koffer, einen Rucksack und einer Handtasche zu verstauen. Als ich schließlich mit meinen Eltern zum Flughafen losgefahren bin, hab ich doch wieder, als ich mir ausgemalt habe, wie es denn sein könnte, wenn ich ganz alleine in dieser riesigen Stadt ankomme, ein wenig mehr Angst bekommen. Da jedoch auf dem Weg zum Flughafen so ziemlich alles, was nur schiefgehen konnte auch schiefgegangen ist, hatte ich gar nicht allzu viel Zeit mir darüber Gedanken zu machen, weil ich die ganze Zeit damit beschäftigt war zu schauen, dass wir rechtzeitig am Flughafen ankommen. Eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse: es war ein Sonntag und ursprünglich wollten wir mit dem Flixbus zum Flughafen, der kam jedoch auch über eine Stunde nach der geplanten Abfahrt nicht und die Bahnen (die sowieso viel zu teuer gewesen wären) sind an dem Tag aufgrund einer Generalstörung nicht bis Frankfurt Flughafen gefahren, also sind wir mit dem Taxi wieder nach Hause, um dann doch mit dem Auto zu fahren. Natürlich standen wir dann noch eineinhalb Stunden im Stau und hatten am Ende 50 Euro Parkgebühren (fun fact: der Flug nach Seoul, bei einer Entfernung 10.000km, beträgt dauert ca. 11 Stunden, die Fahrt von Heidelberg nach Frankfurt, bei einer Entfernung von 80km hat an diesem Tag 5 Stunden gedauert, sprich so gut wie die Hälfte). Der Abschied von meinen Eltern fiel mir relativ leicht und nach der Sicherheitskontrolle ging mein Abenteuer Seoul dann auch richtig los und ich musste alleine zurechtkommen (wobei es natürlich kurz vor Boarding zu einem Weiteren Zwischenfall kommen musste, da mein Gate kurzfristig geändert wurde und auf meinem Weg zum neuen Gate jemand einen Notschalter gedrückt hat, sodass bei allen Lufthansa Gates Metalltüren runtergefahren sind und man nicht mehr vor und zurück konnte bis die Notausgänge geöffnet wurden). Zum Glück bin ich am Ende aber rechtzeitig angekommen und auch der Flug und die Landung verliefen ohne jegliche Probleme.

Warum eigentlich Südkorea?

„Während meines Bachelorstudiums möchte ich auf jeden Fall ins Ausland. Am liebsten irgendwo weit weg. Nein, Erasmus kommt für mich eher nicht in Frage, höchstens ein Auslandsjahr in den USA… Oder doch lieber vielleicht ein Praktikum?“ Das war meine Einstellung in Bezug auf einen Auslandsaufenthalt während der ersten Semester und wie man sieht, wusste ich selbst nicht so genau, was ich wollte. Im dritten Semester habe ich mich schließlich dazu entschieden mich für das Auslandsjahr in Tennessee in den USA zu bewerben, jedoch habe ich den Platz leider nicht bekommen. Damit war das Thema Ausland dann eigentlich auch abgeschlossen für mich. Aber irgendwie hat es mir doch keine Ruhe gelassen die Chance „etwas anderes zu erleben“ nicht noch einmal genutzt zu haben. So kam ich wieder zurück auf die Idee mit dem Praktikum und bewarb mich für eines in einem Unternehmen in Montpellier, Frankreich, jedoch auch ohne Erfolg. Nach dieser zweiten Enttäuschung hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr noch etwas zu versuchen, denn nach diesen zwei Enttäuschungen wollte ich jegliche weitere vermeiden. Als ich dann aber doch recht schnell gemerkt habe, dass ich dringend ein Ziel vor Augen brauche, dachte ich mir: Nein, jetzt erst recht, das lasse ich so nicht auf mir sitzen! So habe ich im fünften Semester (also sehr kurz auf knapp) den Entschluss gefasst, mich für sämtliche Goethe-Insititute, die schon vor längerer Zeit mein Interesse geweckt haben, zu bewerben. Erzählt habe ich niemandem davon, weder meiner Familie, noch Freunden. Meine Angst, wieder vor allen mit einer Enttäuschung umgehen zu müssen, war zu groß. Deswegen dachte ich mir, ich versuche das Ganze auf gut Glück und wenn es dann ernst wird, sage ich meiner Familie und Freunden schon Bescheid. Auch wenn ich nichts sehnlicher wollte, als einen der Praktikumsplätze, hatte ich nicht allzu große Hoffnungen. Nach dem Abschicken der Bewerbungen hieß es dann warten, lange warten. Circa zwei Monate nach dem Abschicken der Bewerbung bekam ich eine Mail mit einem asiatischen Absender, der Betreff lautete: Ihre Bewerbung. Ich war selten so sehr aufgeregt, wie in dem Moment, als ich diese Mail öffnete. Und das war sie, die Zusage für das Praktikum in Seoul, Südkorea. Ich konnte es im ersten Moment überhaupt nicht realisieren und war sprachlos. Ich habe tatsächlich eine Zusage für Seoul! Zuerst war ich überwältigt von der Freude über diese Nachricht, jedoch wurde mir dann auch recht schnell bewusst, dass ich das alles nun meinen Eltern, meiner Familie und Freunden sagen musste. Was werden sie wohl sagen? Werden sie sich freuen? Unterstützten sie dieses Vorhaben? Will ich das überhaupt wirklich? Schließlich war ich noch nie mehr als einen Monat von zu Hause weg und schon gar nicht am anderen Ende der Welt. Am Ende hat sich herausgestellt, dass ich mir gar nicht so viele Sorgen hätte machen müssen. Zuerst war meine Familie ein wenig geschockt, jedoch gleichzeitig auch unglaublich stolz und fest entschlossen mich bei allem zu unterstützen, auch meine Freunde standen voll und ganz hinter mir, gaben mir sehr viel Mut und Zuspruch und sogar in der Uni ließ sich alles so regeln, dass ich kein Semester verpasse und mein Plan aufgeht. So hat sich die Frage, ob ich das wirklich will auch sehr schnell geklärt: NATÜRLICH will ich das! In der Zeit, in der ich nach und nach allen davon erzählt habe, gab es eine Frage, die mir immer wieder gestellt wurde. „Warum eigentlich Südkorea, Jenny? Wie bist du darauf gekommen?“ Je öfter mir diese Frage gestellt wurde, desto öfter habe ich sie mir auch selbst gestellt, denn so wirklich konnte ich sie weder mir selbst, noch anderen beantworten. Ich hatte mich neben Seoul noch für eine andere Institute, auf der ganzen Welt verteilt, beworben, jedoch habe ich von Anfang an gesagt, dass mein Top-Favorit Seoul ist. Viel wusste ich nicht über die Stadt und auch nicht über das Land Südkorea. Das einzige, was mir spontan zu Südkorea einfiel, waren Gangnam-Style, K-Pop im Allgemeinen (das auch nur, weil ich es öfter auf Spotify gesehen habe) ach ja, und natürlich Kosmetikprodukte. Und vielleicht war es auch genau das, das mir Unbekannte, von dem ich nicht allzu viel wusste, die Herausforderung, die eine solche Reise mit sich bringen würde und einfach mal etwas ganz Neues und Anderes zu erleben, was mein Interesse und meine Motivation so sehr geweckt hat. Nach dem Tag der Zusage habe ich natürlich sofort angefangen zu recherchieren und mich mit dem Land, der Kultur und den Einwohnern auseinanderzusetzen. Heute, zwei Wochen vor dem Abflug, kann ich sagen, dass ich mehr als zufrieden bin, mich trotz weiterer Zusagen von anderen Instituten für Seoul entschieden zu haben und dass ich es kaum erwarten kann diese unglaublich vielseitige, interessante Stadt, die so viel zu bieten hat, kennenzulernen und für knapp vier Monate mein zu Hause nennen zu dürfen.

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