Ich habe mich schon im Vorfeld öfter gefragt, ob wohl viele Deutsche mit mir im Flugzeug nach Korea fliegen würden, denn wie bereits geschrieben, konnte ich an einer Hand abzählen wie viele Leute ich kannte, die bereits in Korea waren oder sich überhaupt für Korea interessieren. Genau das spiegelte sich dann auch tatsächlich in der Herkunft meiner Mitreisenden wieder, denn 95% der Fluggäste waren Asiaten. So kam es dann auch, dass ich neben einem etwas älteren koreanischen Ehepaar saß, das weder ein Wort Deutsch noch ein Wort Englisch sprach. Ein wenig komisch war es schon zu wissen, dass man jetzt ca. 12 Stunden ans andere Ende der Welt reist und sich mit niemandem unterhalten kann, aber da es ein Nachtflug war und sowieso so gut wie alle den ganzen Flug über geschlafen haben, sodass es sich gar nicht so lang angefühlt hat, war es am Ende doch alles gar nicht so schlimm.

Ja, und dann bin ich endlich angekommen, in der Stadt, die für die kommende dreieinhalb Monate mein zu Hause sein sollte. Nachdem ich mein Gepäck geholt habe, bin ich mit einem Expresszug zu Seoul Station (sozusagen der Hauptbahnhof hier) gefahren (da der Flughafen sich nicht direkt in Seoul, sondern in Incheon befindet) und wurde dort von unseren Freunden empfangen. Es war allerdings gar nicht mal so einfach diese zu finden, da der Bahnhof drei Stockwerke und insgesamt 20 Ausgänge hat und ich natürlich erstmal zum falschen Ausgang gelaufen bin. Den ersten Nachmittag habe ich mit unseren Freunden verbracht, bis diese mich abends in mein Hotel, das ich für die ersten zwei Wochen gebucht hatte, gebracht haben. Mein allererster Eindruck von Seoul war sehr positiv, überall Hochhäuser, viele Menschen, viel Verkehr und Geräusche, eine typische Großstadt eben. Ein kleiner Teil der Stadt wurde mir bereits am ersten Tag auf dem Weg ins Hotel gezeigt und ich war wirklich begeistert. Als ich dann im Hotel angekommen bin und zum ersten Mal ganz alleine war, war diese Begeisterung nicht mehr ganz so groß und ich war ein wenig überfordert mit der Situation und habe doch Angst bekommen, ob ich dem Ganzen überhaupt gewachsen bin und ob ich das alles schaffen werde, denn bereits am ersten Tag wurde ich sehr oft mit der Kommunikationsbarriere konfrontiert, was mir viele Sorgen bereitet hat. Nach einigen Telefonaten mit Freunden und Familie habe ich dann aber doch festgestellt, dass es eigentlich überhaupt keinen Grund zur Sorge gibt, alles gut ist und es völlig normal ist, dass man Zeit braucht und sich diese auch nehmen muss, um sich einzuleben und zurechtzufinden. Mit dieser Erkenntnis kam auch recht schnell meine Freude wieder, die anschließend Tag für Tag immer größer wurde und bis zum heutigen Tag auch noch weiterhin wächst.

In den ersten beiden Tagen habe ich erst einmal meinen Stadtteil etwas näher erkundet, bevor ich dann mit dem Bus und der U-Bahn auch in andere Teile der Stadt gefahren bin. Ursprünglich wollte ich die ersten Wochen so viel es geht Bus fahren, damit ich auch etwas von der Stadt sehe. Es hat sich allerdings schnell herausgestellt, dass Busfahren ohne Internet zu haben, ohne koreanisch lesen zu können und bei der verrückten Fahrweise der Koreaner gar nicht mal so einfach ist. Dies hatte zur Folge, dass ich so einige Umwege gefahren bin und auch das ein oder andere Mal in den Bus in die falsche Richtung eingestiegen bin. Oft hat es mich genervt, dass ich gefühlt doppelt so viel Zeit und Energie brauche, um irgendwas zu finden, aber immerhin habe ich dadurch auch viele Teile der Stadt gesehen und auch wenn ich das dann positiv sehen konnte, bin ich letztendlich doch ziemlich schnell auf die U-Bahn umgestiegen, da das wirklich die einfachere Methode für die ersten Tage war. Als ich am vierten Tag dann meine koreanische SIM-Karte bekommen habe und dadurch überall Internet hatte, ging alles viel leichter und unkomplizierter. Ich habe mir in den ersten Tagen versucht ein grobes Bild von den ganzen Stadtteilen zu machen, um mir zum einen eine bessere Orientierung zu verschaffen und zum anderen die gesamte Stadt besser kennenzulernen. Mir ist dabei recht schnell aufgefallen, dass Seoul eine wirklich RIESIGE Stadt ist. Ich hatte den Begriff „riesig“ zuvor schon auf einige Städte, die ich besucht habe, angewendet, jedoch trifft er auf keine Stadt so gut zu wie auf Seoul. Hier gibt es wirklich unglaublich viele Stadtteile, in denen es ganz unterschiedliche Dinge zu sehen und zu entdecken gibt. Ich glaube genau das war es auch, was mich hier als allererstes begeistert hat und wodurch ich mich von Tag zwei an sofort richtig wohl gefühlt habe. An jeder Ecke gibt es überall etwas neues zu entdecken, überall sind Menschenmengen, alle sind super hilfsbereit und offen und auch abends, wenn alles beleuchtet ist, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Somit war für mich recht schnell klar, dass ich definitiv die richtige Entscheidung getroffen habe nach Seoul zu gehen und dass ich mich garantiert wohlfühlen werde.

Jetzt hatte ich von der Stadt soweit einen wundervollen ersten Eindruck, aber ich wusste noch in keinster Form was mich im Praktikum, wo ich nunmal den Großteil meiner Zeit hier verbringen werde, erwarten wird, sodass eine gewisse Aufregung und Nervosität immer noch da war. Diese wurde mir dann aber schneller genommen als erwartet, da mir angeboten wurde bereits am Freitag (und nicht erst am darauffolgenden Montag) ins Goethe-Institut zu kommen und von meiner Vorgängerin schonmal die ersten Sachen gezeigt zu bekommen. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und habe so in meiner ersten Woche am Freitag bereits einen Großteil der Mitarbeiter des Instituts kennengelernt. Ich wurde super herzlich aufgenommen und alle haben sich sehr für mich interessiert und sich die größte Mühe gegeben, dass ich mich sofort wohl fühle, was ihnen definitiv auch gelungen ist. So bin ich dann spät abends beruhigt nach Hause und habe mich richtig auf Montag, meinen ersten richtigen Arbeitstag, gefreut.

(Ich werde in den kommenden Beiträgen, die nun auch regelmäßiger geschrieben werden, sorry dafür, auch auf Punkte wie Essen, Wetter und die Unterkunft eingehen, aber ich will zum einen nicht ewig lange Beiträge schreiben und zum anderen auch schauen, dass ich einzelne Themen in einzelnen Beiträge unterbringe).

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